Demokratie ist ein Spiel: Utopolis Aufbruch der Tiere

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Im Mai 2014 hatte das Münchner Entwicklerstudio Reality Twist sein neues Projekt UTOPOLIS – AUFBRUCH DER TIERE angekündigt. Als Gewinner der Deutschen Computerspielpreises ist UTOPOLIS mittlerweile fast eine Institution für sich. Auf der gamescom 2015 wird die Nemetschek Stiftung mit einem Vortrag zeigen, wie Games erfolgreich in der politischen Bildung eingesetzt werden können.

Utopolis - Aufbruch der TiereIm Auftrag der Nemetschek Stiftung sollte das Studio Reality Twist politische Bildung mithilfe eines Computerspiels fördern und entwickelte in Folge ein mobiles Game für Android und iOS, in dem demokratische Prozesse auf spielerische Art und Weise erlebbar werden sollen. In der Stiftung zeigt man sich von Anfang an vom Spielekonzept überzeugt:

„Digitale Medien wurden in der politischen Bildung bisher eher verhalten eingesetzt. Mit einem Spiel wie UTOPOLIS – AUFBRUCH DER TIERE lassen sich aber demokratische Prozesse verständlich und nachhaltig gerade jüngeren Menschen vermitteln“, sagt Dr. Ralf Nemetschek.

Seit der Veröffentlichung von UTOPOLIS – AUFBRUCH DER TIERE sind einige Monate vergangen. Heute arbeitet die Stiftung mit verschiedenen Schulen und Bildungseinrichtungen zusammen, die das interaktive Mobile-Game in den Unterricht integrieren. Der asynchrone Spielaufbau, das Mehrspieler-Konzept und die politische Thematik machen Utopolis zu einem idealen Titel, den Lehrer gemeinsam mit ihren Schülerinnen und Schülern spielen können. Dabei kann auch die Verbindung von Spielwelt und Realität im Unterricht hergestellt und reflektiert werden. Auch auf der gamescom 2015 werden Reality Twist und die Nemetschek Stiftung das Spiel mit einem Vortrag vorstellen: Dr. Ralf Nemetschek, Geschäftsführender Vorstand der Nemetschek Stiftung, und Silke Zimmermann, Programmleiterin der Stiftung, werden in ihrem Vortrag aufzeigen, wie Games in der politischen Bildung eingesetzt werden können. Das Augenmerk will der Vortrag darauf richten, wie demokratische und politische Prozesse durch digitale Spiele besonders für eine jüngere Spieler besser greifbar werden.

Bereits George Orwell nutzt das reich der Tiere, um in Animal Farm seine Wahrnehmung von Demokratie zu vertiefen. Sein Werturteil für das politische System, das seinen Ursprung im antiken Griechenland nahm, fiel allerdings nicht besonders positiv aus. In Utopolis – Aufbruch der Tiere scheint man die Problematik gleich von Anfang an galant umschiffen zu wollen, und versetzt das komplette Spielambieten für die neue Spielergeneration in eine moderne, Fantasy-basierte Welt. Dort leben seit vielen Generationen die Tiere friedlich und ohne Sorgen im großen Wald, bis die Eule Armin von einer seltsamen Macht berichtet, die ihren Lebensraum zerstören will. Um das zu verhindern, machen sich die Tiere auf den Weg nach Utopolis um den Ursprung des unheilvollen „Roten Leuchtens“ ausfindig zu machen. Aufgepasst Kinder: Krieg gehört nicht nur in der Fantasy, sondern auch in der Demokratie zum täglichen Brot, vor allem, wenn es um unbekannte Bedrohungen geht!

Nun unterliegt ja, wie wir wissen, jede Form der Demokratie gewissen Einflüssen und ist „offen“ für Interpretatiosmöglichkeiten – auch wenn die Grundregeln zunächst gleich scheinen. Auch in UTOPOLIS – AUFBRUCH DER TIERE bestimmen die Spieler deshalb selbst die Regeln ihrer Gemeinschaft und organisieren sich nach dem Prinzip der Demokratie.

 

Auf die gefährliche Reise nach Utopolis geht dann eine Gruppe von bis zu 50 Spielern in der Rolle verschiedenster Tiere – von denen auf den ersten Blick keines besonders friedliebend wirkt.

Jeder verfügt natürlich über andere Fähigkeiten und kann damit seinen Teil zum Gelingen der Mission beitragen. Für das aufgestellte Regelsystem soll jeder seine Vorschläge einbringen, über die demokratisch abgestimmt wird. Auch Sanktionen gegen Mitspieler werden mehrheitlich beschlossen. Gewaltenteilung à la Fantasy?

Mit dem Anspruch, demokratische Entscheidungsprozesse abzubilden und es den Spielern so zu ermögliche, nicht nur verantwortungsvoll in der Gruppe zu agieren, sondern auch unterschiedlichste Gesellschaftsmodelle und Herrschaftsformen spielerisch zu erleben und nachzuvollziehen, wirbt UTOPOLIS – AUFBRUCH DER TIERE. Das könnte spannende werden, denn wie jedes „freie System“ scheint auch dieses offen für Entgleisungen zu sein. Inwieweit komplexe politische Modell tatsächlich zum tragen kommen, und die Spielergemeinschaft sich selbst in einem demokratischen Prozess reguliert, muss sich von Spiel zu Spiel zeigen. Demokratie hin oder her – auch UTOPOLIS legt schließlich besonderen Wert auf den für viele Fantasygames höchst typischen Faktor „Teamwork“: Selbst wenn jeder Spieler Aufgaben alleine erledigen kann, erzielt man die wichtige Spielfortschritte immer nur in der Gemeinschaft.

Das Spiel ist kostenlos für iOS (ab Version 4.3) und für Android erhältlich. (https://itunes.apple.com/de/app/utopolis-aufbruch-der-tiere/id893975954?mt=8&ign-mpt=uo%3D4)

Mehr Infos unter: http://www.utopolis-online.de

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